Ich war am Sonntag bei der Kundgebung am Hambacher Forst. Und eines hat mich dort am meisten berührt:

Der Kampf Für etwas

Ein wenig hat man sich so gefühlt als seien einem die Hände gebunden, denn die Polizei hat den Wald komplett abgeriegelt. Während draußen vor dem Hambacher Forst drei- bis viertausend Menschen demonstriert haben,  standen im Wald einhundert Baumbesetzer dreieinhalbtausend Polizisten gegenüber. Vereinzelt sind Menschen durch die Blockade gebrochen um den Baumbesetzern Verpflegung zu liefern, doch das ist ein Guerillakampf wie David gegen Goliath. Der Kampf um den Wald wird RWE gewinnen, doch Davids Zwille ist weder Stock, noch Steine, noch Fäuste, es ist seine Stimme. Eine Stimme die lauter und lauter wird. Nicht durch die Medien, sondern durch die Menschen. Menschen die Zusammen für etwas einstehen, nicht gegen etwas Kämpfen – ohne Feindbild wie Polizei, Staat oder politische Gesinnung – nein für eine Idee, für einen gemeinsamen Nenner und für eine bessere Welt.

Und da ist auch der riesige Unterschied zu Chemnitz. Warum wurde über Chemnitz so breit in den Medien berichtet und über den Hambacher Forst nicht? Warum standen in Chemnitz 150 Polizisten 3000 Demonstranten Gegenüber, und im Hambacher Forst war das Umgekehrte der Fall?

Die Antwort: divide et impera
Teile und Herrsche.

In Chemnitz waren so wenig Polizisten weil es da nur um Menschen ging, um Menschen und ihre Unversehrtheit. Beim Hambacher Forst geht es um Wirtschafts und Konzerninteressen. Das ist der Grund warum im Hambacher Forst so viele Polizisten sind. Der andere Grund warum in Chemnitz so wenige waren: je weniger Polizisten, desto größer die Wahrscheinlichkeit der Eskalation zwischen den beiden Lagern.
Das können die Medien nutzen. Über Chemnitz (oder auch austauschbar G20) wird so viel und überdramatisiert in den Medien berichtet um die Sensationsgeilheit und die Gier nach einem Sündenbock zu befriedigen. So werden die Seiten gegeneinander aufgehetzt.
Allerdings: Nicht jeder von den besorgten Bürgern ist Rechtsradikalerneonazi, und nicht jeder der wirsindmehr-Bewegung ist Linksradikalerantifagutmensch. Aber dieses Bild wird erzeugt um die Lager gegeneinander auf zu hetzen.

Stell dir mal vor die Menschen in Chemnitz würden nicht gegeneinander demonstrieren, sondern miteinander. Auf einmal wäre es eine Demo Seite an Seite mit über siebentausend Leuten und eine neue Bewegung. Wie das gehen soll?
Indem man für etwas ist, nicht gegen etwas, so wie im Hambacher Forst. Völlig egal ob links, rechts, oben oder unten – man hat einen gemeinsamen Nenner: man will den Wald und die Umwelt retten. Und auf einmal wird über Inhalte geredet, nicht über Gruppierungen.

Und in Chemnitz gibt es diesen Nenner auch: letztendlich wollen alle Menschen dort eine gerechtere und sozialere Politik gegenüber den kleinen Leuten.

Wurde darüber geredet? Nein, es wurde über Links gegen Rechts geredet. Kriegen wir irgendwann eine gerechtere und sozialere Politik? Nein, es wird über Links gegen Rechts geredet.

Wenn ihr wirklich für eine bessere Welt kämpfen Wollt kämpft für Etwas, nicht gegen Irgendwen. Man ist überrascht wie viele gleichgesinnte es gibt, im vermeintlich verfeindeten Lager und wenn es auch nur ein kleiner gemeinsamer Nenner ist. So ist man zusammen doppelt soviel. So ist man Zielgerichtet und nicht gegeneinander Gerichtet.

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17.09.2018

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